Die meisten Urlauber kommen im Hochsommer nach Bornholm. Zwar ist die Insel in diesen Monaten am lebendigsten, doch dafür zahlt man einen hohen Preis. Denn die Fähren sind Monate im Voraus ausgebucht und die Mieten für Ferienhäuser erreichen ihren Höchststand.
Wer jedoch weder an die Schulferien gebunden ist noch einen klassischen Strandurlaub plant, findet in der Nebensaison eine lohnenswerte Alternative. Man tauscht die Badetemperatur gegen das gelbe Farbenmeer der Rapsblüte im Mai oder den Indian Summer im Oktober. Dafür sinken die Mietpreise oft um rund 50 Prozent, und die Strände gehören fast allein.
Im Winter ist das Leben auf der Insel dagegen stark eingeschränkt. Wenn der Wind die Wellen unerbittlich gegen die Granitküste drückt, zeigt sich Bornholm von seiner einsamsten Seite und der touristische Betrieb ist de facto komplett eingestellt. Die meisten Räuchereien, Cafés und Museen sind geschlossen. Wer also im Winter nach Bornholm reist und nicht in einem Hotel wohnt, ist als Selbstversorger auf die eigene Küche im Ferienhaus angewiesen.
Mit dem Frühlingsbeginn schüttelt Bornholm die Winterstarre ab. Während das Thermometer im März oft noch bei kühlen 4 °C stagniert, klettern die Temperaturen bis Mai auf etwa 13 °C. Es ist die Zeit, in der das tiefe Blau der Ostsee auf das leuchtende Gelb der Rapsfelder trifft, die das hügelige Hinterland dominieren. Besonders Orte wie die Paradisbakkerne, die man im Hochsommer mit vielen Wanderern teilen muss, hat man nun fast für sich allein.
Ein unschätzbarer Vorteil des Frühlings betrifft den Andrang und die Kosten. Da noch nicht viel los ist, ist das Buchen von Fähren wesentlich unkomplizierter als im Sommer. Zudem liegen die Preise für Ferienhäuser auf Bornholm oft nur bei der Hälfte der Hauptsaisonpreise.
Der Frühling ist die trockenste Jahreszeit auf Bornholm. Auch wenn das Wasser mit maximal 9 °C nur etwas für sehr Mutige ist, entschädigen die menschenleeren Strände dafür. Jedoch verlangt der böige Ostseewind im März und April nach einer wirklich winddichten Jacke, selbst wenn die Sonne bereits wärmt.
Der Sommer ist die einzige Zeit, in der Bornholm seine dörfliche Beschaulichkeit gegen eine fast mediterrane Lebhaftigkeit tauscht. Mit bis zu neun Sonnenstunden täglich und Wassertemperaturen, die in den flachen Buchten die 21-Grad-Marke erreichen, wird die Insel zum Magneten für Familien.
In den Häfen von Svaneke oder Gudhjem füllen sich die Cafés, und die Räuchereien arbeiten im Akkord. Festivals und Konzerte füllen den Kalender und beleben das kulturelle Inselleben. Dies hat seinen Preis, denn die Nachfrage nach Unterkünften und Fährplätzen ist so hoch, dass spontane Buchungen zur Hauptsaison kaum möglich sind.

Wer Ruhe sucht, muss in dieser Zeit an die Strände von Sømarken ausweichen, wo sich der feine Sand weit genug erstreckt, um auch im August Distanz zu den Nachbarn zu wahren. Die Wetterlage ist meist stabil, sodass Radtouren über die gesamte Insel ohne ständige Sorge vor Regengüssen geplant werden können.
Wenn sich die Tagestemperaturen im September bei 16 °C einpendeln, beginnt eine oft unterschätzte Phase. Die Granitfelsen fungieren als Wärmespeicher und halten das milde Klima länger fest als auf dem deutschen Festland. Die Wanderwege durch die Laubwälder im Inselinneren bieten nun Schutz, wenn an der Küste der Wind zunimmt.
Für preisbewusste Urlauber ist der Herbst eine Schnäppchenzeit, da die Mietpreise nach den dänischen Schulferien drastisch sinken. Ab November zeigt die Natur jedoch ihre raue Seite und die Herbststürme können dann vereinzelt sogar den Fährverkehr beeinträchtigen.
Im Winter reduziert sich Bornholm auf das Wesentliche. Die Tagestemperaturen liegen um den Gefrierpunkt. Es ist die Zeit für hyggelige Momente am Kamin und das besondere, klare Licht der kurzen Tage, das Fotografen anzieht.
Ein Wintertrip nach Bornholm erfordert jedoch etwas Planung, denn der Großteil der Gastronomie und des Einzelhandels befindet sich bereits im Winterschlaf. Zudem sind viele Sommerhäuser kaum gedämmt, was die Stromkosten für Elektroheizungen in die Höhe treibt. Daher ist es empfehlenswert, nach einem massiven Steinhaus mit Kamin oder einem Hotelzimmer Ausschau zu halten.

Bornholm lohnt sich im Grunde für zwei völlig unterschiedliche Arten von Urlaub. Für Familien und Camper bleibt der Hochsommer trotz der hohen Preise die logische Wahl, da nur dann die Ostsee warm genug ist und das Inselleben mit all seinen Cafés und Räuchereien wirklich stattfindet. Wer jedoch zum Wandern oder Radfahren kommt, findet im Mai oder im September das bessere Bornholm vor. In diesen Wochen gehört die Insel den Aktivurlaubern, die Shelter sind leer und die Kosten für ein Ferienhaus sinken oft auf die Hälfte.
Ein Wintertrip ist dagegen ein Experiment für Individualisten. Man tauscht die touristische Infrastruktur gegen die rohe Kraft der Natur und das Selbstversorger-Dasein im Ferienhaus. Diese Stille muss man aushalten wollen, aber für ausgedehnte Spaziergänge an der windgepeitschten Granitküste gibt es keine bessere Zeit.