Festung Hammershus — Nordeuropas größte Burgruine auf Bornholm

Hammershus gilt als die bekannteste Sehenswürdigkeit auf Bornholm. Die mittelalterliche Festung steht auf einem steilen Granitfelsen an der Nordspitze der Insel und gewährt weite Ausblicke über die Ostsee. Ihre gewaltigen Mauern stammen aus dem 13. Jahrhundert und entstanden während der langjährigen Machtkämpfe zwischen dänischen Königen und den Bischöfen von Lund.

Man kann das weitläufige Gelände heute frei erkunden und findet im modernen Besucherzentrum zusätzliche Informationen zur Baugeschichte von Hammershus. Hinter der Architektur verbirgt sich zudem ein historisches Drama um eine prominente Gefangene, deren Schicksal eng mit diesen Mauern verknüpft ist. In den folgenden Abschnitten finden sich Details zur Historie sowie Hinweise zur Anreise und zu Wanderwegen.

Geschichte von Hammershus

Als größte Burgruine Nordeuropas ist Hammershus ein exponierter Ort, an dem die Kirche über Jahrhunderte hinweg ihren Herrschaftsanspruch verteidigte. Die Anlage auf Bornholm diente als strategischer Stützpunkt im Konflikt zwischen dem Erzbistum und der dänischen Krone. Im 16. Jahrhundert besetzte die Lübecker Hanse die Burg und baute sie zu einer der wehrhaftesten Anlagen der Region aus.

Festungsanlage Hammershus auf Bornholm

Mit der Entwicklung moderner Artillerie verlor die Festung im 17. Jahrhundert ihre militärische Funktion. Nach der Aufgabe der Anlage nutzte die lokale Bevölkerung die Ruine als Steinbruch. Vor allem im 18. und 19. Jahrhundert wurden große Mengen Baumaterial abtransportiert, um Häuser in Rønne oder die Befestigungen auf Christiansø zu errichten. Erst im Jahr 1822 stoppte der dänische Staat diesen Raubbau und stellte das Areal unter Denkmalschutz. Heute bilden die konservierten Mauerreste ein wichtiges Ziel für den Tourismus auf der Insel.

Prominente Gefangene

Die Inhaftierung von Leonora Christina zählt zu den bekanntesten Erzählungen der Burg. Als Tochter des Königs Christian IV. war sie umfassend gebildet und mit dem Staatsmann Corfitz Ulfeldt verheiratet. Das Ehepaar wurde im Jahr 1660 wegen Landesverrats auf Hammershus festgesetzt. Trotz der harten Haftbedingungen bewahrte Leonora Christina ihre standhafte Haltung gegenüber den Bewachern.

In einer Märznacht des Jahres 1661 versuchte das Paar, die Flucht zu ergreifen, indem es sich mit zusammengeknoteten Laken von den hohen Klippen abseilte. Ein Unfall verzögerte jedoch das Vorankommen, sodass die Wachen sie bei Tagesanbruch entdeckten und erneut festnahmen. Der damalige Festungskommandant unterstellte der Gefangenen daraufhin Hexerei, da er sich den riskanten Fluchtweg nicht anders erklären konnte. Nach diesem Vorfall hielt man das Paar getrennt voneinander fest.

Aufbau von Hammershus

Die Anlage von Hammershus nutzt die natürliche Geografie der 74 Meter hohen Felsenklippe an der Nordwestspitze Bornholms geschickt aus. Eine rund 750 Meter lange und neun Meter hohe Ringmauer umschließt das Areal, das durch mehrere Flankentürme gesichert ist. Die innere Struktur gliedert sich in einen zentralen Innenhof sowie zwei Außenhöfe, in denen die Ruinen der einstigen Wohn- und Wirtschaftsgebäude liegen. Den höchsten Punkt bildet der massive Mantelturm, der als Donjon das Zentrum der Verteidigung war und die Silhouette der Ruine heute prägt.

Aufbau Festung Hammershus

Die Verteidigungsstrategie setzte auf mehrere Hindernisse, die potenzielle Angreifer nacheinander überwinden mussten. Wer die Burg von Land oder See aus stürmen wollte, stieß zunächst auf steile Klippen und musste anschließend die verschiedenen Verteidigungsringe aus Wällen und Vorburgen durchbrechen. Ein quadratischer Torturm kontrollierte den Zugang zum inneren Kern. Eine natürliche Schlucht erschwerte den unbemerkten Aufstieg. Im 16. Jahrhundert erweiterten die Lübecker Besatzer die Anlage um halbrunde Türme, um die Mauern besser gegen die aufkommende Artillerie zu schützen.

Hammershus war als autarker Lebensraum konzipiert und auf langfristige Belagerungen vorbereitet. Innerhalb der schützenden Mauern befanden sich neben den Soldatenstuben auch eine Brauerei, Getreidespeicher, eine Küche sowie eine eigene Burgkapelle. Eine technische Besonderheit sind die beiden künstlich angelegten Trinkwasserseen, die selbst bei einer Absperrung von der Außenwelt die Versorgung der Bewohner sicherten.

In ruhigen Zeiten lebten lediglich einige Dutzend Menschen dauerhaft auf dem Gelände, wobei sich der Kreis aus dem Burgherren, Handwerkern, Klerikern und einer kleinen Garnison zusammensetzte. In Kriegszeiten schwoll die Zahl der Bewohner massiv an, da die umliegende Landbevölkerung hinter den Mauern Schutz suchte.

Die heutigen Überreste der Ställe und Speicher vermitteln ein realistisches Bild davon, wie komplex die Logistik einer solchen mittelalterlichen Festungsstadt organisiert sein musste.

Besucherzentrum Hammershus

Das im Jahr 2018 eröffnete Besucherzentrum ergänzt das Gelände um eine feste Ausstellung zur Geschichte der Burg, die insbesondere die Blütezeit der Anlage um das Jahr 1575 sowie Aspekte wie das Bauwesen, die damalige Gerichtsbarkeit und den Alltag der Bewohner darstellt.

Besucherzentrum Hammershus

Der Entwurf des Gebäudes stammt vom Architekturbüro Arkitema in Kooperation mit Christopher Harlang und Büro Happold. Die Konstruktion wurde so in den Hang integriert, dass sie die Sichtachsen auf die historische Ruine kaum beeinträchtigt. Im Inneren befinden sich neben den Ausstellungsräumen auch ein Café und Seminarräume für Fachvorträge. Eine großzügige Terrasse dient als Aussichtspunkt, von dem aus ein Weg über eine Brücke direkt in die Schlucht und weiter zur Burg führt.

Kamelkopffelsen

Unterhalb der Festung ragen zwei markante Granitfelsen aus der Ostsee hervor, die unter den Namen Kamelkopf und Löwenkopf bekannt sind. Diese Formationen entstanden über Jahrtausende durch die natürliche Erosion durch Wind und Wellen. Ihre charakteristischen Silhouetten treten besonders bei tief stehendem Sonnenlicht deutlich hervor. Vom Wanderweg zur Ruine hat man eine freie Sicht auf diese natürlichen Monumente.

Kamelkopffelsen vor Bornholm

Anreise nach Hammershus

Die Festung Hammershus ist über verschiedene Verkehrsmittel direkt erreichbar.

Mit dem Auto

Die Anfahrt zur Festung aus Richtung Rønne erfolgt über die Hauptstraße nach Norden durch Hasle und Klemensker bis nach Allinge. Von dort führt die Beschilderung entweder über den Slotslyngsvej oder den Langebjergvej direkt zum Besucherparkplatz der Schlossruine. Wer aus Aakirkeby kommt, wählt entweder die Route über Rønne oder quert die Insel in Richtung Nordküste, um ebenfalls über Allinge zur Zufahrt am Slotslyngsvej zu gelangen. Von Svaneke aus führt der Weg entlang der Ostküste über Gudhjem und Tejn nach Allinge, wo die Schilder zum großen Parkplatz der Anlage weisen.

Parkmöglichkeiten

Für das Abstellen des Fahrzeugs steht der Parkplatz P2 in unmittelbarer Nähe des Besucherzentrums zur Verfügung, von dem aus die Ruine in wenigen Gehminuten erreichbar ist. In der Zeit vom Samstag vor Palmsonntag bis zum Ende der dänischen Herbstferien wird eine Gebühr von 30 DKK für eine Parkdauer von sechs Stunden erhoben. Die Bezahlung erfolgt über die App EasyPark oder am Automaten durch Eingabe des Kennzeichens. Münzen oder Kreditkarten werden akzeptiert. Ein physischer Parkschein für das Armaturenbrett ist nicht erforderlich.

Der kleinere Parkplatz P1 unmittelbar am Besucherzentrum bleibt Reisebussen sowie Fahrzeugen mit einem Behindertenparkausweis vorbehalten. Als kostenfreie Alternative bietet sich der Parkplatz Hammersholm an, der etwas abseits der Hauptzufahrt liegt.

Zu Fuß oder mit dem Fahrrad

Wenn man die Besichtigung von Hammershus mit einer Wanderung verbinden möchte, bietet sich der Start im Küstendorf Vang an. Von dort führt ein markierter Küstenpfad direkt zur Ruine. Eine weitere Route beginnt in Sandvig und verläuft in etwa anderthalb Stunden am Opalsee vorbei zur Festung. Aufgrund des gut ausgebauten Radwegenetzes auf Bornholm ist das Ziel zudem problemlos mit dem Fahrrad erreichbar.

Mit dem Bus

Hammershus ist mehrmals täglich an das regionale Busnetz angebunden, wobei regelmäßige Verbindungen von Sandvig und Rønne bestehen. Die genauen Abfahrtszeiten ändern sich je nach Saison, decken jedoch das gesamte Jahr über die wichtigsten Besuchszeiten ab.

Aktivitäten in der Nähe von Hammershus

Das Gelände rund um Hammershus geht direkt in das Naturgebiet Hammerknuden über, das von Granitklippen und weiten Heideflächen geprägt ist. Ein verzweigtes Netz an Wanderwegen verbindet die Ruine mit markanten Punkten der Nordspitze, wie dem Leuchtturm Store Fyr bei Sandvig oder den Gewässern Opalsee und Hammeren-See. Diese Pfade führen entlang der Küstenlinie bis zum Hafen Hammerhavn, der sich unmittelbar unterhalb der Festung befindet.

Praktische Tipps für den Besuch von Hammershus

Ein Aufenthalt bietet sich besonders in den Monaten Mai, Juni oder September an, da in dieser Zeit meist beständige Wetterlagen herrschen und die Besucherströme der dänischen Sommerferien ausbleiben. In den Abendstunden verändert sich die Atmosphäre auf dem Areal merklich, wenn das Licht der untergehenden Sonne die Mauern beleuchtet und die Frequenz der Tagesausflügler nachlässt.

Das Gelände der Festung ist weitläufig, und die Wege sind oft steil und uneben. Festes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung sind daher empfehlenswert. Der Weg zur Ruine ist zwar gepflastert, weist jedoch Steigungen auf, die für herkömmliche Rollstühle nur schwer zu bewältigen sind. Mit einem geländegängigen Kinderwagen lässt sich die Strecke hingegen ganz gut befahren. 

Luftaufnahme Hammershus

Tipp für Familien: In den Sommermonaten Juli und August veranstaltet Bornholms Mittelalterzentrum regelmäßig Themenführungen auf dem Burggelände, die einen Einblick in die historische Lebensweise bieten und besonders bei Kindern beliebt sind. 

Fazit 

Hammershus bleibt aufgrund seiner Lage und des Erhaltungsgrades der Ruinen einer der wichtigsten Orte, um die historische Bedeutung Bornholms in der Ostseeregion zu verstehen. Die Kombination aus mittelalterlicher Wehrarchitektur und der Einbettung in das Naturschutzgebiet Hammerknuden macht das Areal zu einem Ziel, das über die reine Geschichtsvermittlung hinausgeht. Ein anschließender Besuch der nahegelegenen Orte Allinge und Sandvig ermöglicht es zudem, den Ausflug in den nördlichsten Teil der Insel abzurunden.

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