Ekkodalen – Bornholms geheimnisvolle Klangschlucht

Das Ekkodalen zieht sich durch das Waldgebiet Almindingen. Die kilometerlange Schlucht wird von steilen Felswänden gesäumt und ist vor allem für das namensgebende Echo bekannt, das an den glatten Granitwänden abprallt. Mit seinen Wanderwegen, Aussichtspunkten und Sehenswürdigkeiten ist das Tal ein gutes Ziel für einen halbtägigen oder ganztägigen Ausflug in die bewaldete Mitte der Insel.

Geologische Besonderheit und Entstehung

Das Ekkodalen ist das größte Spalttal Bornholms und verläuft als Teil eines riesigen Riftsystems über zwölf Kilometer von Saltuna bis tief in den Westen der Insel. Seine Entstehung geht auf massive tektonische Spannungen im kristallinen Grundgebirge zurück, die den harten Granit und Gneis entlang alter Schwächezonen wie eine Schablone aufreißen ließen. In diese tiefen Klüfte drang stellenweise flüssiges Magma ein, das heute als dunkle Diabasgänge den Verlauf der uralten Brüche im Gelände markiert.

Im Gegensatz zu klassischen Tälern wurde diese Rinne nicht primär durch Flüsse gegraben, vielmehr drangen Frost, Wasser und gewaltige Gletscher in die vorgezeichneten Bruchlinien ein. Während der Eiszeiten hobelte das Eis die bis zu 70 Meter breite Struktur frei und hinterließ an den teils 20 Meter hohen Wänden deutliche Gletscherschrammen. Diese Schleifspuren vom direkten Kontakt mit der Eismasse sind bis heute sichtbar. 

Das besondere Mikroklima am Talboden begünstigt eine offene Wiesenlandschaft, die im Kontrast zu den alten Eichenwäldern an den Hängen steht. Durch die heutige Beweidung bleiben die schroffen geologischen Strukturen für Betrachter frei sichtbar.

Das Phänomen des Echos

Die Akustik im Ekkodalen beruht auf der schmalen, schlauchförmigen Geometrie des Tals. Da die glatten Granitwände den Schall kaum absorbieren, sondern ihn fast vollständig zurückwerfen, entstehen saubere Reflexionen statt eines diffusen Nachhalls. Weil das Tal an vielen Stellen nur wenige Meter breit ist, erreichen die Schallwellen die gegenüberliegende Wand fast zeitgleich und kehren als kräftiges, scharf konturiertes Signal zurück.

Der klassische Ort für diesen Test ist die H. C. Ørsted-Quelle, die etwa 20 Meter abseits des Hauptweges liegt. Die Stelle dient seit Generationen als Spielwiese für den dänischen Ruf: "Hvad drikker Møller?" ("Was trinkt Müller?"), den die Felswand mit einem trockenen "Øller!" ("Biere!") beantwortet. Früher nutzten Einheimische den Echo-Effekt, um über weite Strecken zu kommunizieren.

Die beste Klangqualität bietet das Tal bei kühler, trockener und vor allem windstiller Luft. Da hohe Luftfeuchtigkeit oder nasse Felswände den Schall dämpfen und streuen, liefert trockene Luft die präzisesten Echos. Windstille verhindert zudem, dass die Schallwellen verweht werden. Die Reflexionen hört man daher am besten in den frühen Vormittagsstunden, wenn noch kein Wind durch die Schlucht zieht.

Flora und Fauna

Das Ekkodalen und der angrenzende Wald Almindingen beheimaten Tierarten, die im restlichen Dänemark kaum noch zu finden sind. Besonders die alten Eichenbestände an den Hängen beherbergen seltene Fledermäuse wie die Bechsteinfledermaus und die Bartfledermaus, die landesweit nur auf der Insel Bornholm vorkommt. In den Baumkronen der über 200 Jahre alten Eichen nisten Greifvögel wie Rotmilan und Habicht. 

Die offenen Eskeviske-Wiesen werden teilweise von Rindern beweidet, wodurch sie Jagdgründe für Amphibien und Insekten schaffen. An den steilen, feuchten Felswänden wachsen Moose und Farne, die gut mit dem geschützten Mikroklima zurechtkommen. Wandert man im Frühjahr durch das Tal, kann man den intensiven Duft von Bärlauch wahrnehmen, der weite Teile des Waldbodens bedeckt. Mit etwas Glück lassen sich im dichten Unterholz auch regelmäßig Rehe und Hirsche beobachten.

Sehenswürdigkeiten und Points of Interest am Echotal

Lilleborg

Auf einer 16 Meter hohen Klippe über dem Borresø stehen die Ruinen der Lilleborg. Die älteste Burgruine Bornholms umfasste eine 3000 m² große Anlage mit Mauer, Turm und Gebäuden. Sie galt als Gegenstück zu Hammershus. Die Ruinen sind heute frei zugänglich.

Rytterknægten

Der höchste Punkt Bornholms ist mit 162 m ü. M. der Rytterknægten. Auf dem Gipfel thront der Aussichtsturm Kongemindet, der 1856 zu Ehren von König Frederik VII. errichtet wurde. Vom Kongemindet aus hat man bei klarem Wetter eine gute Aussicht über ganz Bornholm sowie auf Christiansø und Schweden. 

Rokkestene

Nördlich von Lilleborg liegt der 25 Tonnen schwere Rokkesten, ein großer Findling aus der Eiszeit, der sich durch gezieltes Drücken leicht bewegen lässt.  

Dronningestenen

Dronningestenen (Königinstein) ist eine Felsformation im Ekkodalen mit toller Aussicht über das Tal und die Almendingen. Über die Pfade im Tal nach Westen sind die Felsen leicht erreichbar.

Gamleborg

Eine der ältesten Ringburgen Nordeuropas ist Gamleborg. Sie stammte aus der Zeit um 500 n. Chr. und diente als Wikinger- oder als Bronzezeitfestung. Die massiven Steinmauern waren bis zu 4 m hoch und hatten einen Durchmesser von bis zu 60 m. Die frühmittelalterliche Verteidigungsanlage inmitten freier Natur umfasste mit Toren und Innenstrukturen eine Fläche von 4000 m². 

Trandberg Statue

Die Trandberg‑Statue (dänisch: Trandbergs Statue) im Ekkodalen ist ein Gedenkmonument für den dänischen Pfarrer und Schriftsteller Peter Christian Trandberg (1832–1896). Er war ein bekannter Volksschriftsteller, Prediger und Reiseautor, der auch auf Bornholm literarisch tätig war und dem Ekkodalen eine besondere Bedeutung zuschrieb.

Wandern rund um Ekkodalen

Das Ekkodalen bietet direkten Zugang zum Wegenetz von Almindingen. Die Pfade im Wald sind zur leichteren Orientierung mit farbigen Markierungen an Bäumen und Schildern versehen. Ein kaum zu verfehlender Abschnitt ist der Holzsteg im Talgrund, von dem aus die Felswände der Styrtebakkerne gut zu sehen sind. Vom Tal aus führen die Wege entweder flach durch die Senke oder bergauf zu Zielen wie der Ruine Gamleborg.  

Die folgende Karte zeigt drei unterschiedliche Touren sowie die wichtigsten Sehenswürdigkeiten im Umfeld des Echotals.

Touren

Die meisten Rundwanderungen beginnen am Parkplatz Ekkodalen, an dem sich auch ein Restaurant und Toiletten befinden. Alternativ kann man auch an den beiden umliegenden Waldparkplätzen in die Routen einsteigen oder mehrere kombinieren. 

Tour 1Tour 2Tour 3
Länge4,9 km8,4 km14,9 km
Dauerca. 1 Std.ca. 2 Std.ca. 3-4 Std.
Schwierigkeiteinfachmoderatanspruchsvoll
GPXDownloadDownloadDownload

Praktische Informationen für einen Ausflug ins Ekkodalen

Anfahrt

Ekkodalen liegt in der Inselmitte Bornholms, südlich des Almindingen-Waldes und nördlich der Stadt Aakirkeby.

Anfahrt mit Auto

Von Rønne aus folgt man der Route 38 Richtung Nexø und biegt in Aakirkeby in den Almindingsvej ab. Kurz vor dem Wald führt der Ekkodalsvejen links zum kostenlosen Parkplatz am Ekkodalshuset. Die Fahrt dauert von Rønne etwa 20 Minuten. Von Nexø oder Allinge ist man rund 25 Minuten unterwegs. Der Parkplatz bietet auch Platz für Wohnmobile.

Anfahrt mit Bus

Die Regionalbusse von BAT (z. B. Linien 1, 4 oder 6) halten regelmäßig in der Nähe von Almindingen. Von den Haltestellen an der Hauptstraße sind es etwa 10 bis 15 Minuten Fußweg bis zum Taleingang am Ekkodalshuset. 

Da sich die Fahrpläne saisonal unterscheiden, lohnt sich vorab ein Blick auf die Website von BAT Bornholm.

Anfahrt mit Fahrrad

Mehrere Radrouten führen direkt durch das Waldgebiet (u. a. die Wege 22, 25 und 26). Von Rønne aus plant man für die etwa 15 Kilometer lange Strecke gut eine Stunde ein. Die Wege sind meist asphaltiert oder bestehen aus festem Waldboden.

Eintritt & Barrierefreiheit

Der Zugang zum Ekkodalen ist kostenlos. Die Wege sind naturnah und familienfreundlich, jedoch nicht barrierefrei.

Beste Reisezeit

Die schönste Zeit für einen Ausflug ins Echotal ist zwischen Frühling und Herbst, da das Tal dann in voller Blüte steht und das Wetter angenehm mild ist.

Essen und Trinken

Direkt am Parkplatz am Ekkodalshuset gibt es gute Möglichkeiten für eine Pause. Das Café Genlyd bietet hausgemachte warme Gerichte, Kuchen und regionale Spezialitäten. Besonders beliebt sind die dort servierten großen Bornholmer Tartelets. Neben dem normalen Betrieb wird das Café auch für Konzerte, Brunches und kleinere Veranstaltungen genutzt.

Snacks, Eis und Getränke, aber auch Souvenirs und Wanderkarten findet man im Kiosk am Parkplatz. 

menuchevron-downcross-circle linkedin facebook pinterest youtube rss twitter instagram facebook-blank rss-blank linkedin-blank pinterest youtube twitter instagram